5. August 2020

Kommentar zur Saisoneröffnung: Die Kugel fliegt

Nach der zwangsverordneten Spielpause fliegt die Filzkugel wieder übers Netz. Die Lust den gelben Ball mit dem Schläger zu schlagen ist enorm gross. Man spürt die Energie, welche auf dem Platz herrscht und man sieht mich zu Beginn mit einem grossen Smile im Gesicht. Das Grinsen vergeht schnell. Es folgt Ernüchterung.
Während dem coronabedingten Videostudium alter Klassiker zwischen McEnroe – Borg oder Federer – Nadal wirkte das Spiel mit dem kleinen gelben Ball so einfach. „Das kann ich auch“, habe ich mir vor dem Bildschirm gedacht, „kann doch nicht so schwer sein.“ Und nun zeigt sich bereits beim Einspielen die fehlende Selbstreflexion. Die Bälle fliegen mal hier, mal dort hin und landet doch einer beim Mitspieler, so war es Glück. „Naja, es wird schon besser werden“.
Das Spiel im Kleinfeld dient als Ausrede und so geht es zum „richtigen“ Tennis über. Ernüchterung die Zweite. Der Streuwinkel wird noch grösser, das Netz frisst jeden zweiten Ball und sogar die Strasse (welche hinter dem Tennisplatz verläuft) bekommt ihre Bälle. Zwischen die gelben, sich verselbständigenden, gelben Kugeln, mischen sich jetzt Flüche meinerseits. „Man! Nöd scho wieder!“ „De chunt eifach nöd hüt!“ „Scheiss Schläger!“ tönt es immer wieder über den Platz und die frisch eingezogenen Nachbarn bereuen ein erstes Mal ihren Wohnort.
Doch dann geschieht, was vor wenigen Minuten noch unvorstellbar war.
Es kommt zurück!
Nach einigen Minuten (vielleicht Stunden), des Fluchen, Aufregen, lautstarkem Lammentieren kommt das Gefühl für Schläger und Ball zurück. Sie versinken beinahe in Harmonie. Das langersehnte Gefühl steigt den Körper empor und erreicht das nun vor Freude pochende Herz. Zwischen die nun spektakulärer werdenden Ballwechsel mischt sich auch mal ein „C’mon“. Und sogar das Lächeln findet den Weg ins Gesicht zurück.
Erschöpft, vor schweisstropfend, frisch desinfiziert und vor allem glücklich verlasse ich den Platz.
Ach, wie schön dich wieder streicheln zu dürfen du geliebte kleine, gelbe Filzkugel.
Ach, wie schön meine Gefühle auf dem Platz mit dir zu Teilen.
Ach, wie schön, wie wunderschön endlich wieder Tennis zu spielen.
(L.H.)